Karrierestrategien:
6 Wege zu mehr Selbstsicherheit

Diesmal möchte ich Ihnen sechs ganz konkrete Wege aufzeigen, wie Sie Ihre Selbstsicherheit steigern können.

Selbstsicheres Verhalten ist erlernbar. Das kostet etwas Überwindung und auch Geduld, ist aber nicht anders, als eine neue Sportart zu beginnen. Sie müssen die entsprechende Muskulatur und Kondition erst mal aufbauen. Was man dafür braucht? Ein Ziel, das man erreichen will, einen Trainingsplan plus regelmäßiges Training. Genau so können Sie Ihre Selbstsicherheit steigern.

Setzen Sie sich Ziele

Ich empfehle Ihnen allerdings, den Elefanten nicht auf einmal verspeisen zu wollen. Unterteilen Sie Ihr Ziel also in Häppchen. Setzen Sie sich kleinere Ziele, die Sie schnell umsetzen können. Mein Tipp lautet: Nehmen Sie sich anfangs nur ein Ziel vor. Zu große Ziele, oder zu viele auf einmal kann niemand bewältigen, das frustiert nur und raubt einem die Motivation. Denken Sie daran, es ist genau wie sportliche Trainingseinheiten. Am Anfang Schritt für Schritt, später werden Sie große Sprünge auf einmal machen!

Sechs wichtige Bereiche der Selbstsicherheit

Ich stelle Ihnen nun sechs typische Bereiche vor, die im Alltag auftreten. Hier haben Menschen mit mangelnder Selbstsicherheit häufig ein Problem.

Die einzelnen Bereiche sind miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Wenn Sie in einem Bereich sicherer werden, so wirkt sich das auch auf die anderen Bereiche aus. Daher ist es schlau, mit dem für Sie einfachsten Bereich zu beginnen und sich dort das erste Etappenziel zu setzen.

1. Bloß keine Fehler machen?

In unzähligen Zitaten, und Sprüchen wird laut die alte Botschaft verkündet: „Aus Fehlern wird man klug“. Dennoch verharren wir meist in einer Kultur der Fehlervermeidung. Möglichst keinen Fehler machen heißt di

Wie gehen Sie persönlich mit Fehlern um?

Wenn Sie einen Fehler gemacht haben, beginnt dann ein Prozess des Grübelns und der Selbstvorwürfe? Zweifeln Sie an Ihren Fähigkeiten oder fühlen sich gar als Verlierer oder Versager? Wenn Sie so oder ähnlich denken, dann programmieren Sie bei sich selbst immer weiter „Unsicherheit“. Beginnen Sie damit, für Fehler einzustehen. Gestatten Sie sich, nicht perfekt zu sein!

Betrachten Sie Fehler als genau das, was sie sind: eine misslungene Handlung in einer Situation. Verkneifen Sie sich längere Überlegungen dazu, dass alle anderen auch Fehler machen, das ist eine Binsenweisheit. Und wird Sie leicht auf das Glatteis führen, Fehler einfach unter den Tisch fallen zu lassen.

Nutzen Sie Fehler für eine kurze Selbstreflektion. Streichen Sie die Frage „Was sollte man daraus lernen?“ (-> siehe hierzu auch: Klartext reden). Fragen Sie sich stattdessen besser: „Welchen Anteil an der Situation kann ich selbst beeinflussen?“ und „Wie kann ich mein Verhalten sinnvoll verändern?“

Wenn Sie einen Fehler gemacht haben:

  • Suchen Sie nach konkreten Verhaltensänderungen, die Sie selbst beeinflussen können
  • Entschuldigen Sie sich angemessen, rechtfertigen Sie sich nicht.

2. Von der Schwierigkeit, „Nein“ zu sagen

Haben Sie den Eindruck, Sie können anderen eine Bitte nicht abschlagen? Übernehmen Sie Aufgaben, um anderen einen Gefallen zu tun? Wunderbar! Sie besitzen eine großartige Eigenschaft! Sie sind bereit, auch mal Ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustecken, um andere zu unterstützen. Das wird Ihnen in der Regel mit Dankbarkeit, Anerkennung oder schlicht Freude gelohnt. Ein schönes Gefühl: Ihr Gehirn schüttet Glückshormone aus. Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit sind positive Eigenschaften, die Sie sorgsam pflegen sollten. Und ab sofort auch für sich selbst anwenden.

Egoist oder sich für andere aufopfern? Zwischen diesen beiden Polen liegen viele Abstufungen, die Sie je nach Situation variieren können. Es ist eine Frage der Dosierung: Wenn Sie zu Gunsten anderer Ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen zu weit und zu oft zurückstecken, schlägt das gute Gefühl in ein schlechtes um. Sie fühlen sich ausgenutzt. Ihre Grenzen sind dann nicht mehr gewahrt.

  • Üben Sie gezielt, Nein zu sagen, wenn Sie Nein sagen wollen.
  • Lernen Sie, Ihre Grenzen klar zu ziehen.
  • Berücksichtigen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse und nehmen Sie diese ernst.

Wie Sie es sagen können:
„Ich möchte darüber gern erst einen Moment nachdenken. Ich sage Ihnen bis 17.00 Uhr /morgen Früh Bescheid, wie ich mich entschieden habe.“
In der konkreten Situation ist es hilfreich, sich eine kurze Bedenkzeit zu erbitten, bevor man sich entscheidet. Nutzen Sie diese, um sich zu überlegen, was Sie selber wollen. Wägen Sie die jeweilige Situation ab. Verwehren Sie nicht Ihre Hilfe, aber wehren Sie es ab, wenn jemand es sich auf Ihre Kosten bequem machen will. Es geht nicht darum, aus Prinzip NEIN zu sagen. Es geht darum, dass Sie Ihre eigenen Bedürfnisse wahren!

Wie sage ich’s nur?

Die große Schwierigkeit liegt oft darin, wie man das „Nein“ sagt. Man möchte die Beziehung nicht gefährden, nicht unhöflich sein oder egoistisch wirken. Schnell ist man auf der Suche nach Ausreden und Ausflüchten, den sogenannten kleinen Notlügen.

Unsichere Menschen neigen dazu, statt einem klaren „NEIN“ ein unsicheres Nein zu formulieren, das oft lange begründet und erklärt wird. Manchmal kommt nicht mal mehr das Wort Nein darin vor! Kein Wunder, wenn Ihr Gegenüber das Nein auch nicht versteht. Hinter diesen langen Erklärungen und Wie Sie es sagen können:
„Ich habe in Ruhe überlegt und mich dazu entschieden, dass ich *XY* nicht machen werde.“
„Nein, das möchte ich in diesem Fall wirklich nicht.“
Entschuldigungen steht oft die Hoffnung, der andere möge doch Verständnis haben und am besten seine Forderung oder Bitte einfach zurückziehen. Wird er nicht! Das haben Sie sicher schon erlebt. Also: Eröffnen Sie keine Diskussion, in der Sie den Überzeugungs- und Überredungskünsten der andern widerstehen müssen. Sie brauchen sich nicht zu rechtfertigen! Formulieren Sie klar. Bleiben Sie dabei ruhig und freundlich – aber seien Sie eindeutig. Und bleiben Sie dabei.

  • Ziehen Sie klare Grenzen!
  • Kultivieren Sie das Ja-Sagen für Sie selbst oder für andere – je nach Situation.
  • Sagen Sie freundlich aber unmissverständlich Nein.

3. Schreckgespenster namens Anerkennung, Lob und Kompliment

Wenn Sie ein Kompliment gemacht bekommen – wie reagieren Sie? Sind Sie ganz schnell auf der Suche, wie Sie es wieder loswerden können? Denken Sie sich insgeheim: Das meint der doch gar nicht ernst?

Wenn Ihr Vorgesetzter Sie für die gelungene Präsentation beglückwünscht – wehren Sie das ab, indem Sie betonen, dass „das doch gar nichts Besonderes war“, „nicht der Rede wert sei“?

Ist es Ihnen unangenehm oder peinlich, wenn jemand Ihnen seine Anerkennung oder ein Kompliment ausspricht? Warum? Damit entziehen Sie sich selbst die Wertschätzung. Sie entwerten sich. Beginnen Sie, Wertschätzung von anderen als wertvoll zu betrachten, freuen Sie sich über positive Rückmeldungen. Hören Sie einfach in Ruhe zu, – Sie dürfen das genießen. Zeigen Sie, dass Sie sich darüber freuen: Lächeln Sie. Das ist eine ganz normale Reaktion. Anerkennung ist Grund zu Freude!
Wie Sie es sagen können:
„Das freut mich. Vielen Dank.“

Natürlich können Sie sich dafür auch bedanken. Verzichten Sie dabei aber auf lange Ausführungen und Erklärungen, wieviel Arbeit und Mühe Sie das gekostet hat. Auch dies ist nichts anderes, als eine Art, sich selbst klein zu machen.

4. Keine Angst vor Kritik

Was passiert, wenn Sie kritisiert werden? Fühlen Sie sich persönlich angegriffen? Erstarren Sie förmlich, haben Sie sofort spontan das Bedürfnis, sich zu verteidigen oder sammeln Sie innerlich sofort Argumente für den verbalen Rückschlag? Damit lenken Sie Ihre Energie in die falsche Richtung.

Rückmeldungen im Alltag sollten Sie hoch aufmerksam aufnehmen. Hören Sie gut zu und fragen Sie nach, um möglichst gut zu verstehen. Denn dies sind Chancen, an Informationen zu kommen, zu denen Sie sonst keinen Zugang haben.

Atmen Sie tief durch, um ruhig zu werden oder zu bleiben. Diskutieren Sie nicht, sondern bedanken Sie sich dafür. Ob und wie Sie Ihr Verhalten verändern werden, entscheiden Sie zu einem späteren Zeitpunkt. Damit strahlen Sie nicht nur sofort Selbstsicherheit aus, sondern setzen gleichzeitig eine positive Spirale in Gang.

Freuen Sie sich über konstruktive Kritik!
Bleiben Sie ruhig und hören Sie aufmerksam zu.

5. Klartext reden

Drücken Sie sich gern davor, andere um etwas zu bitten oder etwas zu fordern? Solange Sie Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse nicht klar äußern, dürfen Sie auch nicht erwarten, dass diese berücksichtigt werden.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas besser laufen könnte, dann sprechen Sie dies direkt und klar an. Setzen Sie sich für Ihre eigenen Bedürfnisse gebührlich ein, auch wenn es anfangs etwas Überwindung kostet. Sprechen Sie konstruktive Kritik aus.

Wie sage ich es?

Machen Sie klare Aussagen über sich selbst, sagen Sie „ICH“, wenn Sie ich meinen. Vermeiden Sie das unpersönliche Passiv, ebenso wie den Konjunktiv, der nur eine Möglichkeitsform ist. Verwenden Sie das Aktiv!

Persönlich und im Aktiv: „Ich möchte gerne mehr Verantwortung übernehmen.“
Derselbe Inhalt im Konjunktiv: „Man würde ja gerne mehr Verantwortung übernehmen“
Derselbe Inhalt im Passiv: „Verantwortung sollte man schon übernehmen wollen“

Merken Sie den Unterschied? Welche Aussage strahlt Selbstsicherheit aus? Wem würden Sie die Verantwortung am ehesten übergeben?

  • Stehen Sie für sich selbst ein!
  • Reden Sie klar und eindeutig.

6. Nehmen Sie’s mit Humor

Selbstsicherheit zeigt sich auch darin, Humor zu beweisen. Ich möchte Sie nicht auffordern, zum Oberspaßvogel zu werden und irgendwelche Schenkelklopfer zu reißen. Das halte ich für eher kontraproduktiv. Es geht vielmehr darum, über sich selbst lachen zu können – es ist der entwaffnendste und schönste Umgang mit den eigenen Schwächen oder kleinen Faux-pas. Ein Lachen entspannt, wenn Sie angespannt sind und es macht so menschlich, wenn Sie sich selbst nicht immer nur ernst nehmen.

Trainieren Sie die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können

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