Qualitätskriterien für Coaching

Außerordentlich begrüßenswert ist die Auseinandersetzung über die Qualität von Coaching-Leistung, wie sie in der „Zeit-online“ aufgegriffen wird. Und dazugehörig die Frage nach den Voraussetzungen, die ein kompetenter Coach mitzubringen hat.

In der Tat ist es nicht leicht, sich in diesem unübersichtlichen Angebot von Coaching-Leistungen zu orientieren, Qualität und Kompetenz von hohlen Phrasen zu unterscheiden. Dazu kommt, dass der Begriff „Coaching“ und entsprechend die Bezeichnung „Coach“ einen derartige Attraktivität zu besitzen scheint, dass er für alles herhalten muss, was in irgendeiner Art und Weise eine Beratungsleistung darstellt: wo man früher eine Hundeschule aufsuchte, lässt man sich heute vom Hundecoach unterstützen. Da es sich häufig lediglich um eine andere Bezeichnung derselben Tätigkeit handelt, jedoch nicht um eine Weiterqualifizierung des Beraters, scheint hier möglicherweise die Vorstellung zu herrschen,  die wie auch immer geartete Beratungsleistung aufzuwerten oder besser zu vermarkten, wenn sie mit dem Begriff „Coaching“ belegt wird, dabei dürfte der Gedanke, es handelt sich um eine persönlichere, individuellere und somit wertvollere Leistung eine wesentliche Rolle spielen.

In der Tat ist ein wesentliches Kennzeichen von Coaching der individuell für eine einzelne Person zugeschnittene Beratungsprozess, daraus aber abzuleiten, dass Einzelstunden und das Erstellen eines persönlichen Plans bereits Coachingleistung seien, ist nicht nur absurd, sondern schlichtweg falsch.

Der Deutsche Bundesverband Coaching e.V. hat eine ausführliche Definition für Coaching[1] vorgelegt (2004) http://www.dbvc.de/der-verband/ueber-uns/definition-coaching.html. Dabei wird deutlich, dass es in einem Coachingprozess darum geht, die Selbstreflektion des Klienten zu verbessern und in individuellen Lernprozessen dessen Problemlösefähigkeiten weiter zu entwickeln. Ziel ist grundsätzlich die Erweiterung der Selbststeuerungskompetenzen des jeweiligen Klienten. Bei einem Coachingprozess handelt es sich um eine zeitlich begrenzte, im Durchschnitt zehn Termine umfassende und somit eher kurze Beratungssequenz.

Es ist deshalb so wichtig zu wissen, was Coaching eigentlich wirklich ist, weil die hohe Popularität Coaching zu einer Art Sammelbegriff für alle möglichen sehr unterschiedlichen Formen von Methoden, Ansätzen und Leistungen hat werden lassen. Darunter befinden sich unter anderem auch astrologische Ansätze, Naturerfahrungen, unterschiedliche spirituelle Lehren, Coachen durch Bogenschießen oder mit Pferden. Diese Ansätze mögen für bestimmte Zielsetzungen hilfreich sein, sie zu bewerten oder zu beurteilen ist hier nicht das Anliegen. Diese Ansätze entfernen sich aber zum Teil sehr weit von der eigentlichen Methode „Coaching“ und können daher auch nicht per se den Anspruch stellen, die erfolgreiche Wirkung von Coaching zu erzielen. Sie müssen ihre spezielle Wirksamkeit selbst belegen, ansonsten besteht im schlimmsten Fall die Gefahr, dass Klienten zu Versuchspersonen unerprobter Methoden werden.

 

Ein kurzer Abriss über die Methode „Coaching“

Grundsätzlich ist Coaching ein psychologisches Instrument der Personalentwicklung für Führungskräfte. Dahinter steht die Tatsache, dass gravierende und rasant fortschreitende Veränderungen der wirtschaftlichen Welt durch Technisierung, Innovationssprünge, umfassende Vernetzung, Globalisierung entsprechend veränderte anspruchsvolle Aufgaben an Führungskräfte stellt. Gefordert ist immer schnelleres und effizienteres Reagieren und Agieren in stetigen Veränderungssituationen bei gleichzeitiger hoher Ungewissheit, Führen und Kommunizieren in ständig wechselnden Projekten mit hochkompetenten Fachkräften, einer zunehmenden Internationalisierung, um nur einige Beispiele zu nennen, verlangen nach einer höheren Belastungsfähigkeit, Stresstoleranz, Flexibilität, Kommunikations- und Konfliktlösekompetenz, aber auch nach Selbstreflektion und Perspektivenwechsel. Coaching befasst sich mit den psychologischen Aspekten der einzelnen Persönlichkeit in ihrer speziellen Situation und ihrem sozialen Kontext, auf eine Art und Weise, wie es kein anderes Personalentwicklungsinstrument leisten kann. Die förderlichen Effekte des Coachings, sind nach Mäthner, Jansen und Bachmann [2] die Verbesserung der Führungskompetenz, des Konfliktmanagements, der Kommunikationsfähigkeit, der Entscheidungsfähigkeit, des Zeitmanagements, die Steigerung des Bewusstseins über die eigene Person und das eigene Verhalten, der Motivation und Eigeninitiative. Darüber hinaus leistet Coaching einen nachhaltigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung, sowie bei der Stressreduktion, der Zunahme von Gelassenheit und dem Abbau von Ängsten. Diese und ebenfalls positive Wirkungen auf Leistungsoptimierung und Potenzialentwicklung haben dazu geführt, dass Coaching in den meisten DAX-Unternehmen, in vielen deutschen Großunternehmen, zunehmend im Mittelstand und inzwischen immer häufiger auch für Privatpersonen nachgefragt und eingesetzt wird.

 

Anforderungen an einen Coach

Wenn man sich das Personalentwicklungsinstrument Coaching, das oben nur grob skizziert wurde, ansieht, wird offenkundig, dass Coaching erst dann wirklich Qualität haben kann, wenn der Coach eine ganze Reihe an Voraussetzungen mitbringt: Fundierte psychologische Kenntnisse sind erforderlich und schlichtweg unverzichtbar. Der Coach muss mit Veränderungsprozessen, mit Instrumenten der Organisationsentwicklung, und der Personalentwicklung, sowie mit Führungsthemen ausreichend vertraut sein. Zusätzlich sollten entsprechende betriebswirtschaftliche Kenntnisse vorhanden sein. Die Qualifikation des Coachs ist die relevante Stellgröße für ein wirksames und erfolgreiches Coaching. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Ausbildung zum Coach keine Berufsausbildung ist, sondern eine Weiterbildung, die auf eine fundierte Berufsausbildung mit entsprechender Berufserfahrung folgt. Der Profi für psychologische Themen ist der Psychologe, der Profi für unternehmerische Themen findet sich in den Wirtschaftswissenschaften, diese haben jeweils eine universitäre, also wissenschaftliche Ausbildung absolviert. Dies ist in der Tat ein leicht herauszufindendes und handfestes erstes Kriterium für die Qualifikation. So wird von Stiftung Warentest (s.u.) auch gefordert, ein Hochschulstudium in Psychologie, Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften als Voraussetzung für eine  Coaching-Ausbildung vorzuschreiben.

Erst auf einer solch soliden Basis der Professionalität setzen dann sinnvollerweise die Methoden und Instrumente des Coachings auf, die in einer Weiterqualifizierung zum Coach gelehrt werden. Zusätzlich muss ein Coach persönliche und soziale Kompetenzen aufweisen, also seine eigene Persönlichkeit reflektieren und weiterentwickeln.

Coaching geht davon aus, dass Berater und Klient sich auf Augenhöhe begegnen, insofern ist es von nicht unerheblicher Bedeutung, welche Erfahrungswerte ein Coach sowohl auf geschäftlich-professioneller wie auch auf persönlicher Ebene besitzt. Daher wird in einigen Ausbildungsinstituten ein Mindestalter als ein Zulassungskriterium zu einer Coachingausbildung gefordert.

 

Standards für Coaching sind wünschenswert!

In dem aktuell boomenden Coachingmarkt tummeln sich neben hochqualifizierten und seriös arbeitenden Coachs eben auch die sogenannten „schwarzen Schafe“, und da die „Berufsbezeichnung Coach“ nicht geschützt ist, stellt sich ganz grundsätzlich die Frage, ob überhaupt eine Qualifizierungsmaßnahme zum Coach gemacht wurde, oder ein gutklingender Begriff für eine gänzlich andere Vorgehensweise und Methode gewählt wurde, allein zum Zwecke der Vermarktung. Erst dann geht es um die riesigen Unterschiede in der Art, Dauer, Qualität und Intensität einer Weiterbildung zum Coach. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen, kann einem Laien, der nach kompetenter Unterstützung sucht, nicht zugemutet werden, insofern ist die Forderung, Ausbildungsstandards festzulegen, nicht nur begrüßenswert, sondern wünschenswert und eigentlich längst überfällig. Der Ansatz von Stiftung Warentest, in dem „Einstiegsqualifizierungen für Coachen im beruflichen Kontext“[3]  formuliert werden, ist sinnvoll, differenziert und gut. Insbesondere qualifizierte und seriöse Coachs werden sich für die Einführung von derartigen Standards für die Ausbildung zum Coach aussprechen und einsetzen, ebenso wie diejenigen, die eine seriöse qualitativ hochwertige Weiterqualifizierung zur Befähigung als Coach suchen.

 

Notfallnägel bei der Suche nach einem Coach

Dennoch gibt es natürlich bereits jetzt Anhaltspunkte und Kriterien, an denen man sich orientieren kann, wenn man kompetente und seriöse Unterstützung durch einen Coach sucht, dabei geht es um die Qualifikation des Coachs, seine Methodik und Arbeitsweise, sowie dessen Themenschwerpunkte.

Wie bereits oben ausgeführt, ist die eigentliche Profession, also der studierte Beruf ein gutes erstes Kriterium, das herangezogen werden kann. Ebenso der Lebenslauf, die Stationen beruflichen Wirkens, die einzelnen Tätigkeiten. Referenzen von zuvor Gecoachten sind auf Grund der Diskretion verständlicherweise in der Regel nicht zugänglich, sondern lediglich das Unternehmen und die Führungsebene, in dem gearbeitet wurde.

Die Arbeitsweise und Methodik des Coachs muss transparent und verständlich gemacht werden – und zwar für Sie als potentieller Klient! Es ist durchaus angebracht, nachzufragen, wie der Coach arbeitet, welches Menschenbild und welche Philosophie er hat und was das genau bedeutet.

Es ist absolut üblich, ein unverbindliches und normalerweise kostenfreies Vorgespräch zu führen. Dahinter steht der Gedanke, das was landläufig unter „die Chemie muss stimmen“ bezeichnet wird, abzuprüfen, also die Vertrauensbasis und Arbeitsgrundlage.  Dies ist eine gute und reale Gelegenheit, herauszufinden, ob einem die Art des Coachens persönlich gefällt oder missfällt. Hier darf man sich auf das eigene intuitive Bauchgefühl verlassen, um dann in Ruhe zu einer Entscheidung zu kommen und gegebenenfalls auch ohne Angabe von Gründen eine Zusammenarbeit abzulehnen.

Ein weiteres wesentliches Kriterium  für die Auswahl des geeigneten Coachs ist die eigene Zielsetzung, die man selber mit Hilfe eines Coachings erreichen will. Stimmen die Themenschwerpunkte der Arbeit des Coachs mit dem eigenen Thema und den Zielvorstellungen, bzw. dem Anlass, sich Unterstützung zu suchen, überein? Worauf hat der Coach sich spezialisiert?

Und ganz grundsätzlich sind Coachingleistungen, die schließlich den beruflichen Kontext im Fokus haben, immer auch innerhalb der entsprechenden beruflichen Gepflogenheiten angesiedelt. Deutliche Abweichungen sollten keinesfalls unhinterfragt bleiben.

Wachsamkeit und Zweifel sind angesagt, sobald großartige Versprechen gemacht werden, oder Lösungen wie von Zauberhand: im Schlaf, im Traum, in Trance,… angeboten werden.

Denn seriöse Coachs sind hochausgebildete Personen, die Wert auf professionelles Arbeiten legen – sie können eine Menge, aber sicher nicht zaubern!!

 


[1] Definition Coaching des DBVC (2004)

Coaching ist die professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Personen mit Führungs- / Steuerungsfunktionen und von Experten in Unternehmen / Organisationen. Zielsetzung von Coaching ist die Weiterentwicklung von individuellen oder kollektiven Lern- und Leistungsprozessen bzgl. primär beruflicher Anliegen.
Als ergebnis- und lösungsorientierte Beratungsform dient Coaching der Steigerung und dem Erhalt der Leistungsfähigkeit. Als ein auf individuelle Bedürfnisse abgestimmter Beratungsprozess unterstützt ein Coaching die Verbesserung der beruflichen Situation und das Gestalten von Rollen unter anspruchsvollen Bedingungen.
Durch die Optimierung der menschlichen Potenziale soll die wertschöpfende und zukunftsgerichtete Entwicklung des Unternehmens / der Organisation gefördert werden.
Inhaltlich ist Coaching eine Kombination aus individueller Unterstützung zur Bewältigung verschiedener Anliegen und persönlicher Beratung. In einer solchen Beratung wird der Klient angeregt, eigene Lösungen zu entwickeln. Der Coach ermöglicht das Erkennen von Problemursachen und dient daher zur Identifikation und Lösung der zum Problem führenden Prozesse. Der Klient lernt so im Idealfall, seine Probleme eigenständig zu lösen, sein Verhalten / seine Einstellungen weiterzuentwickeln und effektive Ergebnisse zu erreichen.
Ein grundsätzliches Merkmal des professionellen Coachings ist die Förderung der Selbstreflexion und -wahrnehmung und die selbstgesteuerte Erweiterung bzw. Verbesserung der Möglichkeiten des Klienten bzgl. Wahrnehmung, Erleben und Verhalten.

 

[2] Eveline Mäthner, Anne Jansen, Thomas Bachmann: „Wirksamkeit und Wirkfaktoren von Coaching“ in Christopher Rauen (Hrsg.): Handbuch Coaching, Hogrefe Verlag, Göttingen, 2005

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.